Hormone ersetzen oder nicht?

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Internationale Leitlinien zur Hormonersatztherapie

Vor 15 Jahren (2002)  ist die WHI-Studie erschienen und hat einen markanten Einschnitt in die damals gängige Hormonersatztherapie (HRT) gebracht. Teils zu Recht, teils zu Unrecht wie sich heute herausgestellt hat. Denn diese Studie hat ergeben, dass die Hormonersatztherapie vermehrt zu Brustkrebs und Herzinfarkten führen kann. Damit war die HRT abgeschrieben und die Angst wurde besonders durch die Laienmedien angeheizt.

Nun sind die Daten dieser Studie neu ausgewertet worden und es wurden Fehler in der Studie und deren Berechnung festgestellt. Quintessenz der Auswertung: Die Gesamtsterblichkeit ist unter den hormonbehandelten Frauen niedriger als unter den nicht hormonbehandelten Frauen.

Dennoch hat die WHI Studie einige wesentliche Problematiken aufgezeigt. In der WHI Studie wurden synthetische und problematische Hormonderivate eingesetzt. Diese haben definitiv nichts mit den körpereigenen, bioidenten Hormonen zu tun. Sie sind so wie die Pille mit starken Nebenwirkungen behaftet. Das bestätigt auch Prof. Dr. Chritian Egarter, Leiter der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie am AKH Wien.

Menopausenkongress, Wien  2017 –  Zitat aus einem Artikel in der Medical Tribune von Iris Kofler

Ich zitiere aus dem Artikel von Iris Kofler: „In der WHI Studie wurde orales (Anmerkung: Oral eingenommens Östrogen schädigt die Leber und führt verstärkt zu Thrombosen und Embolien) konjungiertes equines Östrogen (Anmerkung: aus Stutenurin gewonnen, vom Tierschutz her abzulehnen und enthält sehr viel problematisches Östron) entweder als Monotherapie oder in Kombination mit Medroxyprogesteronacetat (MPA) verwendet …… hier liegt schon das erste Problem. Das synthetische Gestagen MPA sei problematisch und werde heute in der HRT gar nicht mehr eingesetzt. Stattdessen wende man …….nur noch natürliche Progestagene an….“

Weiters wurde festegestellt dass es eine deutliche Reduktion des Brustkrebs-, Darmkrebs-, Diabetes- Osteoporose und Frakturrisikos aber auch des Kardiovaskulären Risikos (Herzinfarkt, Schlaganfälle und Demenz) gibt.

Dazu Prof. Egarter „Frauen, die beispielsweise fünf Jahre eine Östrogentherapie eingenommen haben, starten um fünf Jahre später den normalen Alterungsprozess in Richtung Arteriosklerose“, „Der Effekt hält nur solange man das Präparat einnimmt“ „Die Hormonersatztherapie ist eine der wenigen Therapien, mit der man tatsächlich prophylaktisch das komplexe Risiko kardiovaskulärer Situationen beeinflussen kann. Gegen Dyslipidämie (Anmerkung: Erhöhte Blutfette, Cholesterin), Blutdruckerhöhung und Diabetes wirkt Östrogen optimal“

HRT nur mit Bioidenten Hormonen

Bei bioidenten Hormonen handelt es sich um Wirkstoffe, welche mit den Hormonen, die der Körper selbst herstellt, strukturell und funktionell identisch sind, als um 1:1 Kopien im Gegensatz zu strukturell abweichenden Hormonderivaten (Definition Prof. Römmler). In der Bioidenten Hormontherapie wird also konkret statt Ethinylestradiol (vorwiegend in hormonellen Verhütungsmittel) oder konjungierten Estrogenen (vorwiegend aus dem Urin schwangerer Stuten) humanes 17β- Estradiol verwendet und statt synthetischen Gestagenderivaten humanes, physiologisches Progesteron.  Um individuell dosieren zu können verwende ich immer Einzelsubstanzen. Von mir werden bioidente Hormone transdermal (über Haut und Schleimhäute gegeben). Lt. Prof. Römmler „….reduziert dies den hepatischen First-Pass-Effekt einer oralen HRT erheblich was eine niedrige Estrogendosis ermöglicht und so zu einer geringeren Organbelastung mit reduzierten biochemischen und klinischen Nebenwirkungen führt (Römmler A, 2014)

Verabreichung von Hormonen

Entscheidet man sich für eine Hormonersatztherapie (HRT) so sollte man zu den Östrogenen unbedingt Progesteron dazugeben, um die Gebärmutterschleimhaut vor Krebs zu schützen. Eine Verdickung der Gebärmutterschleimhaut kann aber auch unter der Einnahme von Phytoöstrogenen auftreten. Dies ist ein Zeichen einer Östrogendominanz und auch hier sollten mit Progesteron 10 Tage in der zweiten Zyklushälfte unterstützt werden.

Die Wahl wie die Hormone verabreicht werden kann aber auch von der individuellen Problematik abhängen. Progesteron kann man bei bestimmten Indikationen auch gut oral einsetzten. Es wir dadurch nämlich in Allopregnanolon metaboliisert und dieser Metabolit bindet am GABA –A- Rezeptor und erzeugt dadurch eine entspannenden Effekt. Progesteron wird in kristalliner Form im Verdauungstrakt wenig resorbiert, deshalb verwende ich auch hier nur mikronisiertes Progesteron. Transdermal erhöht Progesteron die Blutspiegel um 1,5-3,5 mg/ml, das kann für einige klinische Effekte nicht ausreichend sein.

LEITLINIEN  zur HORMONERSATZTHERAPIE  der International Menopause Society

Von der International Menopause Society (IMS) gibt es neue Leitlinien zum Einsatz der Hormonersatztherapie (HRT).

So soll sich die HRT an konkreten Therapiezielen orientieren und diese Ziele bestimmen die Dauer der Substitution. Es sollen auch individuelle Aspekte der Patientin berücksichtigt werden. Unter diesem Gesichtspunkt ist der  „die niedrigiste Dosis so kurz wie möglich“ nicht mehr empfohlen. So wird die HRT als wirksamste Behandlung bei Hitzewallungen, Schweißausbrüche und urogenitaler Atrophie empfohlen. Aber auch die Linderung bei Gelenks- und Muskelschmerzen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen sexuelle Funktionsstörungen und die verbesserte Lebensqualität werden beschrieben. Mit einem Evidenzlevel A wird die HRT als die wirksamste Therapie zur Frakturprophylaxe bei Osteoporose eingestuft.

Die HRT sollte so früh wie möglich begonnen werden um den prophylaktischen Nutzen zu sichern.

Die wichtigsten Richtlinien zu Sicherheit (=Leitlinien der IMS)
  • in der Anamnese müssen thrombotische Ereignisse (Thrombosen, Embolien, ererbte Gerinnungsstörungen) erfraget werden. In diesem Fall sind ORALE Östrogen kontraindiziert (Anmerkung: oral werden die Östrogene in unserer bioidenten Hormontherapie ohnehin nie verabreicht).
  • Das Risiko für Brustkrebs wird mit einem Evidenzlevel B auf den Einsatz von synthetischen Gestagenen und deren Dauer zurückgeführt (Anmerkung: ich verwende ausschließlich bioidentes natürliches Progesteron)
  • Weiters wird festgehalten, dass zum Schutz eines Endometriumkarzinoms, adäquate Gestagendosen zum Schutz des Endometriums erforderlich sind, die an die Östrogen-Dosierung angepasst werden muss (Anmerkung: ich verschreibe NIE Östrogene ohne natürlichen Progesteronschutz – die laufenden Kontrollen sind wichtig um das individuelle Verhältnis zu ermitteln, dazu benötigt man manchmal auch eine Ultraschallkontrolle beim Gynäkologen)
  • Eine Erhörung der Progesteron-Dosierung kann bei Frauen mit Gewichtsproblemen sinnvoll sein
  • Eine HRT beeinflusst das Risiko eines Zervixkarzinoms NICHT:
  • Die Reduktion des Darmkrebsrisikos wurde für die Kombinierte Östrogen-Progesterontherapie bestätigt.
  • Eine Testosteron Therapie zur Behandlung von sexuellen Funktionsstörungen kann nach Ausschluss anderer Störungen versucht werden. Bringt diese keinen Erfolg, sollte sie nach 6 Monaten wieder abgesetzt werden.
  • Frauen unter HRT sollen einmal im Jahr ärztlich (Hormonstatus) und gynäkologisch untersucht werden