Magazin vom 25.09.2004
Seite 007


Krebs ist keine Zumutung: Profibegleitung in der Gruppe

Die Diagnose Krebs lässt vorerst alle Pläne zusammenbrechen. Doch der Mut, vorwärts zu schauen kommt oft wieder. Eine Ärztin mit Schwerpunkt Onkologie und ein Psychotherapeut leiten ab 28. September die erste offene Gruppe für Krebskranke. Alle praktischen Fragen und Ängste haben dort Platz.

Angst, Wut, Verzweiflung und Auflehnung, ein Cocktail, der Krebskranken die Klarheit raubt, was und wie sie mit ihrer Diagnose umgehen, sie akzeptieren und was sie gezielt tun können, um sich zu stabilisieren.

"Ich gebe den Patienten in der Praxis Visualisierungsübungen mit nach Hause. Viele möchten sie genauso wie Entspannungsübungen gerne in der Gruppe machen", erzählt die Linzer Allgemeinmedizinerin Ilse Rathke-Valencak, die in Psychoonkologie,Traditioneller Chinesischer Medizin und Klinischer Hypnose ausgebildet ist.

"Alles, das ganze Dasein stellt ein Krebskranker in Frage und sucht nach Antworten auf sein ¸Warum ich?`, ¸Wie geht es weiter¿` oder ¸Geht es überhaupt weiter?` und ¸Bin ich schuld an meiner Krankheit?`", sagt Johannes Wolfslehner, Psychotherapeut und Leiter des Vereins Zellkern in Linz, wo sich die Gruppe 14-tägig trifft.

Sie will aller Belastung eine Entlastung entgegenstellen, im medizinischen Bereich, wenn es um alternative wie schulmedizinische Methoden, um Ernährung, Nebenwirkungen von Therapien und Medikamenten etc. geht, im seelischen Bereich, wenn es um Loslassen, das Finden neuer Ziele, Selbstvertrauen und -verantwortung im Umgang mit dem Krebs geht. Auch die Trauer und die Endlichkeit sollen im Gespräch Raum bekommen. "Ich begleitete eine Frau, die längst bereit war zu sterben, nur für ihren Mann lebte sie noch einige Zeit weiter, weil er gebrochen an ihrem Bett saß mit den Worten, lass mich nicht allein, was soll ich nur ohne dich tun`", erzählt der Psychotherapeut. Mancher Kranke spielt der Familie Optimismus im Sinn von "Mir geht es eh gut" vor, was so viel Substanz kostet und ihn nicht Frieden schließen lässt mit sich selbst. Die Gruppe soll Austausch, praktische Hilfe, Infos und Stütze geben, den eigenen gesunden Ressourcen zu vertrauen und sich als Kranker nicht als Zumutung zu betrachten. (rad)

Anmeldung:
Verein Zellkern
Scharitzerstraße 28
0732 / 60 85 60
1. Termin: 28.9. 16 bis 18 Uhr

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