Heil-Werden bei Krebs von
Christine Radmayr
Dienstag, 11.Mai 2004


Diagnose Krebs: Angst, Trauer, Wut, Verzweiflung und Auflehnung toben in Betroffenen. "Den Patienten mit all seinen Gefühlen verstehen und ihn ganzheitlich zu begleiten ist wichtig", sagt die in Psychoonkologie ausgebildete praktische Ärztin

Dr. Ilse Rathke-Valencak

Die Diagnose Krebs hat nichts von ihrem Schrecken eingebüßt, auch wenn heute mindestens 45 Prozent aller Krebserkrankungen geheilt werden können. Alltag, Lebensplanung und das Vertrauen in Gott und die Welt werden plötzlich durcheinander gewirbelt", erklärt die Linzer Wahlärztin, die sich schon jahrelang mit Krebstherapie und -patienten beschäftigt.

"Wenn man Heilung als ein Heil-Werden sieht hat der Krebskranke die Chance, dem Leben eine neue Wertigkeit zu geben. Die Krise öffnet manchem das innere Tor zu einer neuen Tiefe. Das mag absurd klingen, ich sehe aber immer wieder, wie sich Leute mit recht schlechten Befunden subjektiv zeitweise recht wohl fühlen", sagt die Ärztin, die in psychosozialer Medizin, klinischer Hypnose und Akupunktur ausgebildet ist und sich intensiv mit Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) und Palliativmedizin beschäftigt.

"Warum ich ...?"

Die Realisierung der Krebserkrankung verläuft in Phasen: Auf den Schock und die Verdrängung folgt oft die Wut "Warum ich?", Depression und Zweifel nagen, bis man die Diagnose bewusst annehmen kann. "Ich durfte erleben, dass für Menschen, die mit sich und dem Leben im Einklang sind, das Sterben und Loslassen seinen schrecklichen Charakter verliert."

Verstand und Intuition sollen zusammenwirken, wenn es die individuell optimale Krebstherapie zu finden gilt. Sich umfassend informieren und orientieren. Schulmedizinische und komplementäre Krebstherapie können ineinander greifen.

Umfassende Begleitung

Natürlich wird auch mit Wundermitteln, sprich mit der Angst des Kranken, viel Geld gemacht "Es gibt heute aber ausreichend erforschte komplementäre Therapien, die vor allem die Nebenerscheinungen von Chemo- oder Strahlentherapie mildern", weiß die Ärztin, die sich oft abends im Internet schlau macht, wenn sie Patienten mit irgendwelchen Wundersafteln, deren Inhaltsstoffe nicht nachzuvollziehen sind, konfrontieren. Rathke-Valencak: "Die Breuss-Saftkur zum Aushungern von Krebs ist z. B. als gefährlich einzustufen."

Hier ein paar als wirksam erforschte komplementäre Therapien:
Misteltherapie: Sie kann helfen, das Immunsystem zu stimulieren, das Allgemeinbefinden zu verbessern und die Tumorausbreitung zu stoppen. Die Behandlung wird von der Krankenkasse bezahlt.

Enzymtherapie: Mit körpereigenen Enzymen sollen die Nebenwirkungen von Chemo-und Strahlentherapie gemildert und die Ansprechrate verbessert werden. Die Kasse zahlt die Behandlung.

Kräutertherapie: Vor allem die TCM hat Kräuter parat, die das Immunsystem stärken und Nebenwirkung von Behandlungen mildern. Weihrauchpräparate wirken z. B. ähnlich wie Cortison bei Gehirntumoren abschwellend und Hirndruck mindernd.

Akupunktur: Sie wird angewendet bei chronischem Schmerz, funktionellen Störungen, Allergien, in der Krebstherapie begleitend gegen Erbrechen etc.

Klinische Hypnose: Sie lässt sich vor Operationen zur Stärkung der Selbstheilungskräfte und Verminderung postoperativer Beschwerden sowie zum Abbau von Ängsten einsetzen. Wird auch in der Geburtshilfe, bei Schlafstörungen, Erschöpfung, Raucherentwöhnung und Gewichtsreduktion eingesetzt. "In Gruppen können Visualisierungsübungen zur Entspannung und zum Stressabbau eingesetzt werden", sagt die Linzer Praktikerin, die bei Bedarf Kurse abhält.


Mit Hausarzt und Spital arbeitet die Ärztin zusammen und begleitet auf Wunsch Patienten palliativmedizinisch. "Ich lüge keinen an, alle Patienten wissen, wie es um sie steht. Ich behandle aber Menschen und nicht nur Befunde", lächelt die 39-Jährige und zitiert: "Solange keine Gewissheit herrscht, ist die Hoffnung im Recht."

Mehr Infos unter: 0676/7073952.

vom 17.04.2004

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